Überraschende Ergebnisse, eine ganze Reihe von „Hitchcocks“, ein spannender Abstiegskampf: Nach dem 23. Spieltag in der ProA ist das Teilnehmerfeld noch enger zusammen gerückt. Während die überraschende Heimniederlage von Spitzenreiter Bayreuth gegen Chemnitz angesichts des komfortablen Vorsprungs der Franken auf die Nichtaufstiegsplätze nicht unbedingt ins Gewicht fällt, entwickelt sich der Kampf im Tabellenkeller von Woche zu Woche spannender.
Ein kleiner Befreiungsschlag gelang den ETB Wohnbau Baskets Essen, die im Heimspiel gegen den Tabellennachbarn Giants Nördlingen mit 87:76 die Oberhand behielten. Die Gastgeber, die überraschend doch auf den angeschlagenen Keonta Howell (acht Punkte) bauen konnten, überwanden den 6:15-Rückstand nach vier Minuten schnell und glichen noch im ersten Viertel aus (20:20). Vor 1.700 Zuschauern bauten die Hausherren Punkt um Punkt im zweiten Durchgang ihre Führung aus, agierten zudem in der Defensive deutlich disziplinierter als im ersten Durchgang. „Mit der Offensive war ich eigentlich durchgehend einverstanden. Aber in der Abwehrarbeit mussten wir uns nach der Halbzeit steigern, um den dritten Heimsieg der Saison einfahren zu können“, analysierte ETB-Trainer Igor Krizanovic. Ausschlaggebend war aber auch der größere Siegeswillen der Essener, das erkannte auch Gästetrainer András Zsoldos: „Die Wohnbau Baskets haben schlicht und ergreifend mehr Moral und Kampfgeist an den Tag gelegt. Die erste Halbzeit war noch sehr ausgeglichen, aber danach haben wir zu schnell den Kopf eingezogen.“ Topscorer bei Essen war einmal mehr Tyler Kepkay mit 25 Punkten, für Nördlingen erzielten Giordan Watson und Donovan Morris jeweils 16 Zähler.
Der nächste Paukenschlag gelang derweil Schlusslicht Langen: Nach dem viel beachteten Sieg in Karlsruhe unter der Woche besiegten die „Giraffen“ nun in eigener Halle den FC Bayern München deutlich mit 80:68. Für Langen war es der dritte Sieg in den letzten vier Spielen. Die Gäste aus München liefen von Beginn an einem Rückstand hinterher. Einziger „Roter“ in Normalform war Ex-Nationalspieler Robert Maras, der die Partie mit seinen Punkten zum 57:55 zu Beginn des Schlussviertels noch einmal spannend machte. Angeführt vom starken Guard-Duo Kai Barth und Brian Henderson (jeweils 21 Punkte) ließen sich die Hausherren in den letzten zehn Minuten aber nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Auf Seiten der Münchener enttäuschte speziell der etatmäßige Topscorer Kenny Barker, der keinen seiner zehn Wurfversuche traf.
Wieder gestoppt ist der kurzzeitige Höhenflug des USC Freiburg: Nach zuletzt zwei Siegen kassierten die Mannen von Trainer Markus Zilch gegen Science City Jena eine 67:73-Niederlage. Für Jena war dieser doppelte Punktgewinn enorm wichtig, schließlich wurde die Mannschaft in den letzten Wochen kontinuierlich nach unten durchgereicht. In Freiburg überzeugten die Jenenser aber mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung (vier Spieler punkteten zweistellig) und einer guten Trefferquote (49,1 Prozent). In seinem zweiten Spiel für Freiburg nach langer Verletzungspause markierte Mike Kinsella 13 Punkte, Topscorer beim USC war Christoph Roquette mit 16 Punkten.
Ein spannendes Niedersachsen-Derby bekamen über 1.500 Zuschauer in der Osnabrücker Schlosswaldhalle geboten, mit positivem Ausgang für die heimischen Ballers: Mit 86:82 siegte Osnabrück gegen den UBC Hannover und feierte den vierten Sieg im sechsten Derby. Vor dem Schlussviertel führten die Ballers bereits mit 16 Zählern, doch Hannover machte es in den Schlussminuten noch einmal spannend. Mit einem Dreier verkürzte Jan-Peter Prasuhn 20 Sekunden vor Schluss auf 82:85, doch Dustin Pfeifer verwandelte einen seiner beiden Freiwürfe zum Endstand und zum glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg. Bester Akteur bei den Gastgebern war Torvoris Baker mit 23 Punkten und 14 Rebounds, für Hannover erzielte Emmanuel Holloway 19 Zähler.
Vor über 3.400 Zuschauern, darunter Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, verlor der BBC Bayreuth bereits sein drittes Heimspiel, diesmal mit 63:64 gegen die Chemnitz Niners. Von der prächtigen Derbykulisse offensichtlich beflügelt, legten die Gäste los wie die Feuerwehr. Ehe sich der Primus versah, lag er zur Pause mit 23:36 im Hintertreffen. Was folgte, war eine mühselige Aufholjagd, die letztendlich nicht von Erfolg gekrönt war. 15 Sekunden vor Schluss verwandelte Terren Harbut zwei Freiwürfe zum 64:63. Im letzten Angriff hatte der BBC gleich mehrfach die Chance zum Sieg, doch das Leder wollte nicht durch die Chemnitzer Reuse fallen. Am Ende ein verdienter Erfolg der Gäste, die den Sieg einen Tick mehr wollten als die Hausherren. „Wir dürfen noch nicht denken, dass wir durch sind sondern müssen in jedem Spiel, das wir noch haben, alles geben um zu gewinnen“, mahnte BBC-Trainer Andreas Wagner vor dem Saisonendspurt.
Kurz notiert: Crailsheim und Kirchheim siegen in letzter Sekunde
Mit den Entscheidungen der Unparteiischen in den Schlusssekunden haderten die Akteure der BG Karlsruhe im Match bei den Crailsheim Merlins. Vier Freiwürfe bekamen die Gastgeber in den letzten sieben Sekunden zugesprochen, einen davon verwandelte Sean Brooks zum hauchdünnen 81:80-Sieg. Zu Beginn des letzten Viertels lagen die Badener bereits mit 15 Punkten zurück, kämpften sich aber noch einmal heran. Bester Korbjäger bei Crailsheim war John Bynum mit 20 Punkten, für Karlsruhe erzielte Jeremy Black 17 Zähler und 13 Rebounds.
Ohne den verletzten Leistungsträger Oliver Komarek verlor der USC Heidelberg sein Heimspiel gegen die Kirchheim Knights nach Verlängerung mit 95:97. Matchwinner für die Gäste war Cedric Brooks, der 0,4 Sekunden vor Ende der Overtime zum viel umjubelten Auswärtssieg der Knights einnetzte. Neben Brooks (25) überzeugte bei Kirchheim Gordon Scott mit 27 Zählern, für Heidelberg kam Jibril Hodges auf 24 Punkte.
Spieler der Woche: Walt Baxley (Saar-Pfalz Braves)
Große Spieler liefern in großen Spielen ihre besten Leistungen ab. Auf ProA-Niveau ist Walt Baxley unbestritten ein großer Spieler. Mit 50 Punkten hält der Amerikaner in Diensten der Saar-Pfalz Braves den Saisonrekord (aufgestellt im Spiel gegen Chemnitz). Im Spitzenspiel gegen die Cuxhaven BasCats waren es nun starke 29 Zähler, und das (foulbedingt) in nur 27 Minuten Spielzeit. Als Baxley das Feld verlassen musste, war die Partie entschieden, denn die Braves lagen nach 30 Minuten mit 23 Punkten in Front. Baxley kam außerdem auf drei Rebounds, zwei Assists und zwei Steals. Summe summarum macht das einen Effektivitätswert von 27, Bestwert am 23. Spieltag.
Und Grund genug, Walt Baxley zum Spieler des Tages zu wählen – Herzlichen Glückwunsch!
(Junge Liga / JF)
http://www.zweitebasketballbundesliga.de
erstellt am 08.03.2010