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Unglaublich aber wahr – NINERS gewinnen in Bayreuth!

Die Duelle zwischen dem BBC Bayreuth und der BV Chemnitz 99 waren schon immer etwas ganz Besonderes. Doch jener Krimi, welcher sich am Samstagabend in der Oberfrankenhalle abspielte, hätte von Alfred Hitchcock höchstpersönlich stammen können. In einer hoch dramatischen Partie setzten sich die NINERS am Ende mit 64:63 beim Erzrivalen aus der Wagnerstadt durch. Vor den Augen des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg und seiner Gattin Stephanie bestimmte natürlich die Defensive über weite Strecken das Spielgeschehen.


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Anton Mirolybov: „Wir konnten Bayreuth unser Spiel aufzwingen.“

Passend dazu sicherten die Chemnitzer Korbjäger ihren Erfolg letztlich dadurch, dass sie im finalen Angriff Bayreuths keine Punkte mehr zuließen. „Ich bin so stolz auf meine Mannschaft. Das war definitiv unsere beste Verteidigungsleistung der gesamten Saison“, strahlte BV-Cheftrainer Anton Mirolybov über beide Ohren.

Gut 3.500 Zuschauer waren am Samstagabend in die Oberfrankenhalle gekommen und sorgten so für eine neue Rekordkulisse der laufenden Zweitligasaison. Aus Chemnitz fanden rund 300 Schlachtenbummler den Weg nach Bayreuth, doch deren Erwartungshaltung war vor der Partie beim Tabellenführer eher gering. „Ich hätte mein letztes Geld darauf verwettet, dass wir hier absolut nichts holen“, sagte Steffen Höfer, der seit über 15 Jahren den Chemnitzer Basketball besonders intensiv verfolgt. Dementsprechend verwundert reagierten er und die anderen BV-Fans angesichts des Spielgeschehens in den ersten Minuten. Völlig unbeeindruckt von der eigentlichen Rollenverteilung rissen die NINERS sofort das Spielgeschehen an sich und gingen mit 4:0 in Führung. Auch ein kurzer 7:0-Zwischenspurt des Gastgebers konnte das Mirolybov-Team nicht aus dem Rhythmus bringen. Umgehend hatten BV-Kapitän Gary Johnson, Stan Bufford und der in dieser Phase überragende Alex Rosenthal eine passende Antwort parat. Dass es zum Ende des Auftaktviertels dann sogar ein 9-Punkte-Vorsprung für die NINERS war, lag allerdings nicht unbedingt an glanzvollen Offensivaktionen, sondern vielmehr an einer bärenstarken Verteidigung. So konnte Bayreuth bis zur ersten Pause lediglich neun Punkte erzielen. Normalerweise markiert das hoch bezahlte Starensemble des BBC über 20 Zähler pro Spielabschnitt.

Mit einer 18:9-Führung ging es also ins nächste Viertel und die BV-Korbjäger rührten weiterhin Beton an. Über zwei Minuten ließ das Mirolybov-Team keine Bayreuther Punkte zu und vergrößerte den Vorsprung so auf 14 Zähler. Ob Jaivon Harris, Jermain Raffington oder Emeka Erege – keiner der BBC-Stars vermochte die Chemnitzer Defensive ernsthaft ins Wanken zu bringen. Bisweilen wirkte der haushohe Favorit regelrecht ratlos. Einzig Bayreuths Aufbauspieler Drew Williamson fand hin und wieder die wenigen Lücken in der BV-Verteidigung und markierte bis zur Halbzeit 13 Punkte. Allerdings konnten alle anderen BBC-Akteure zusammen nur deren zehn beisteuern. Weil die NINERS im Gegenzug nicht überragend, aber kontinuierlicher scorten, lag man zur Pause völlig verdient mit 36:23 in Front. Dabei sorgte Johnson für das offensive Highlight der ersten 20 Minuten, als er mit der Schlusssirene noch einen Dreier aus gut acht Metern versenkte. Der Schlüssel zum Erfolg war bis dahin aber definitiv die aggressive Verteidigung. „Wir konnten Bayreuth unser Spiel aufzwingen“, freute sich Mirolybov, auch wenn dies zu einer stattlichen Foulbelastung führte.

„Der Zwischenstand ist sehr erfreulich, aber ich bin mir absolut sicher, dass Bayreuth in der zweiten Hälfte viel stärker agieren wird“, hielt sich die Euphorie bei BV-Präsident Detlef Müller zur Pause allerdings stark in Grenzen und der frühere Bundestagsabgeordnete sollte Recht behalten. Die Franken kamen wie verwandelt aus der Kabine und nahmen nun endlich den Kampf der Chemnitzer an. So waren es jetzt die NINERS, welche sich einem Defensivbollwerk gegenüber sahen und bis Mitte des dritten Abschnittes gerade einmal zwei magere Pünktchen erzielen konnten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der BBC bereits auf 32:38 heran gekämpft. Anton Mirolybov reagierte mit einer Auszeit und mehreren Spielerwechseln, doch jede Maßnahme verpuffte nahezu wirkungslos. Als schließlich der Ex-Chemnitzer Jaivon Harris kurz vor Viertelende per Dreier auf 41:42 verkürzte, schien sich das Blatt endgültig zugunsten der Gastgeber zu wenden. Doch mit dem Rücken zur Wand drehten die NINERS noch einmal auf. Erst verwandelte Davon Roberts einen Korbleger und dann war es erneut Gary Johnson, der mit der Schlusssirene vom Perimeter traf.

Der „Buzzerbeater“ zum 47:41 schien den BV-Hünen endgültig die zweite Luft zu verleihen und so gab man im finalen Spielabschnitt wieder den Ton an. Schließlich schraubte Davon Roberts den Vorsprung mit einem Dreier sogar in den zweistelligen Bereich (57:46). Als Chemnitz gut zweieinhalb Minuten vor Spielende immer noch mit 11 Punkten in Führung lag (62:51), schien die Sensation zum Greifen nah. „Bayreuth stellte dann aber unter Beweis, warum sie an der Tabellenspitze stehen und kämpfte sich bravourös zurück“, beschrieb Mirolybov das folgende Spielgeschehen. Punkt um Punkt verkürzte der BBC den Rückstand. Beim Stand von 62:57 für die NINERS schien letztlich der bis dahin überragende Johnson zum tragischen Held zu werden, als er zunächst den Ball an Williamson verlor und diesen dann mit einem unsportlichen Foul stoppen wollte. Da es zudem das fünfte Vergehen des US-Boys war, musste dieser auf die Bank und Bayreuth nutzte das „Geschenk“ für vier weitere Zähler. 30 Sekunden vor Schluss lies sich Johnsons Ersatzmann Michael Allen beim Korbleger blocken, foulte anschließend Harris und der BBC-Kapitän brachte sein Team zum ersten Mal seit dem Auftaktviertel wieder in Führung (63:62). Im nächsten Angriff vergab Dima Rastatter einen Korbleger und der Ball blieb nur mit viel Glück in Chemnitzer Händen.

Das Momentum lag aber eindeutig auf Bayreuther Seite. Zudem mussten die NINERS durch ihre Foulbelastung nun ohne Johnson, Bufford und Rosenthal auskommen. Weil kurz zuvor auch Allen und Rastatter beim Wurfversuch scheiterten, fragten sich nicht wenige BV-Anhänger, wer jetzt überhaupt das Heft in die Hand nehmen sollte. Letztlich landete das orange Leder bei Terren Harbut, der immerhin ein Foul gegen Raffington zog und so an die Freiwurflinie durfte. Von dort war das Kraftpaket an diesem Abend allerdings erst einmal erfolgreich – bei vier Versuchen. Doch der Statistik und dem Trend zum Trotz versenkte Harbut beide Würfe zum 64:63. Allerdings blieben Bayreuth noch 16 Sekunden, um im letzten Angriff den Sieg zu holen. Hatten die NINERS bereits den ganzen Abend mit starker Verteidigung geglänzt, so musste man jetzt sein Meisterstück machen – und sie machten es! Obwohl der BBC durch Williamson, Harris und Raffington noch zu vier Wurfversuchen kam, waren immer genau so viele Chemnitzer Hände dazwischen, dass der Ball eben nicht den Weg durch die Reuse fand. Es folgte grenzenloser Jubel und süßer hätte der Sieg auch wahrlich nicht sein können. Zwar wird Bayreuth höchstwahrscheinlich trotzdem aufsteigen, doch dieser Erfolg in letzter Sekunde bleibt aus Chemnitzer Sicht der perfekte Schlussakt einer jahrelangen Rivalität. Danke Bayreuth und viel Glück in der ersten Liga!

STATISTIK: Johnson (13 Punkte), Rastatter (10), Roberts (9), Rosenthal (8), Bufford (7), Harbut (7), Lipke (6), Allen (4), Ahnsehl, Zyskunov

(Quelle: Chemnitz Niners)
 
http://www.zweitebasketballbundesliga.de
erstellt am 07.03.2010




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